Der Schuhplattler im Dreiflüsse-Trachtengau Passau
Um das "Schuhplatteln" kümmert sich im Dreiflüssegau Passau der Gauvorplattler Richard Schenk. Er ist Ansprechpartner vor allem für die Vereinsvorplattler, aber auch für jeden Einzelnen, wenn es um Fragen oder Auskünfte rund um den
- Schuhplattler,
- Auftritte der Gauplattlergruppe
- Proben der Gauplattlergruppe
- Schuhplattlerunterlagen/Aufzeichnungen
geht.
„Der Schuhplattler“ war es, der nachweislich in den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts zur Gründung von Plattlergruppen in unserem Gebiet führte.
Ab 1919 wurden erste Trachtenverein im späteren Dreiflüsse-Trachtengau Passau gegründet. Überwiegend und nachweislich durch den Schuhplattler folgten innerhalb kürzester Zeit folgende Gründungen:
| 1919 | Gebirgstrachten-Erhaltungsverein D''Unterinntaler Passau |
| 1921 | Stamm Passau |
| 1924 | Gebirgstrachtenerhaltungsverein Almarausch Jacking |
| 1925 | Schuhplattler-Verein Edelweiß Waldlerbuam Waldkirchen |
| 1928 | Gebirgstrachtenverein Edelweiß Salzweg Schuhplattler-Verein Tittling |
| 1929 | Gebirgs- und Volkstrachtenverein „Birkenstoana“ Oberpolling |
| 1930 | Volks- und Gebirgstrachtenverein D’ Ilztaler Witzmannsberg |
| 1932 | Gründung des Dreiflüssegaus Passau |
| 1937 | Gebirgstrachten-Erhaltungsverein D’ Unterilztaler Passau-Hals |
| 1938 | Volkstrachtenerhaltungsverein Enzian Edelweiß Zeller Buam Fürstenzell |
Während der Kriegsjahre 1939 bis 1945 kamen die Vereinstätigkeiten fast oder zum Teil ganz zum Erliegen. Nach dem 2. Weltkrieg ab 1945, als es mit dem gesellschaftlichen Leben wieder aufwärts ging, wurde nach dem Stillstand der Vereinstätigkeiten während des Krieges diese wieder neu belebt, die bestehenden Trachtenvereine wurden wieder aktiv und erlebten einen großen Aufschwung nach der entbehrungsreichen Zeit des Krieges. Die Burschen trafen sich wieder regelmäßig mit den Dirndln zum Proben des Schuhplattlers. In dieser Nachkriegszeit gab es eine zweite Welle von Vereinsgründungen in unserem Raum, und auch hier wieder hauptsächlich wegen des Schuhplattlers.
| 1946 | Gebirgs- und Volkstrachtenverein D’ Horibergler Alkofen Gebirgs- und Volkstrachtenverein Immergrün Wotzdorf Berglerbuam Kellberg D’ Holzhacker Möslberg |
| 1947 |
D’ Rottaler Bayerbach |
| 1948 | Die lustigen Waldlerbuam Straßkirchen D’ Freudenseer Raßreuth Inntaler Buam Aigen Grenzler Buam Ratzing D’ Holzlandla Amsham-Egglham |
| 1949 | Heimat- und Volkstrachtenverein Immergrün Lämmersdorf Volkstrachten- und Heimatverein Grenzlandla Gögging |
| 1950 | Dreiflüsse Trachten- und Heimatverein Passau Gebirgs- und Volkstrachtenerhaltungsverein D’ Untervilstaler Aunkirchen |
| 1951 | Volks- und Gebirgstrachtenverein Donaulandla Vilshofen |
| 1952 | Heimat- und Trachtenverein Berglabuam Auberg |
| 1953 | Volks- und Gebirgstrachtenverein D’ Schlossbergler Schönburg-Thalling Wolfstoana Buam Freyung |
| 1962 | Heimat- und Volkstrachtenverein D’ Wolfachtaler Unteriglbach |
| 1964 | Dreisessel Trachtenverein Haidmühle |
| 1972 | Musik- und Heimatverein Haus im Wald |
| 1973 | D` Holzhackerbuam Erlauzwiesel |
| 1976 | Heimatverein Buchberg |
| 1978 | Heimatverein Dorfbach |
| 1979 | Musik – und Heimatverein Pocking |
| 1984 | Ering |
| 1985 | Knopfharmonika- und Heimatverein Eging |
Während bis in die 50er Jahre die Vereine durchwegs als Gebirgstrachtenerhaltungsvereine entstanden waren, besann man sich bei den jüngeren Vereinsgründungen ab den 50er Jahren auf die bodenständigen Volkstrachten und nannte sich z. B. „Heimat- und Volkstrachtenverein“. Bei den „älteren“ Gauvereinen wurde hier nicht nur der Vereinsname geändert, sondern auch die Tracht von der Gebirgstracht mit kurzer Lederhose auf die Volkstracht mit langer Stoff- oder Lederkniebundhose umgestellt.
Dreiflüssegau und Schuhplattler
Der Schuhplattler, „so wie wir ihn heute kennen“, kam Anfang des 1900 Jahrhunderts in das niederbayrische „Passauer“ Gebiet. Es gibt mehrere Gründe und Ursachen, dass der Schuhplattler auch in Niederbayern erlernt und bis heute gepflegt wird. Zum einen war in den 20er Jahren des 19. Jahrhunderts ein großer Windbruch in den Wäldern der Passauer Umgebung die Ursache, dass man Holzknechte/Waldarbeiter aus dem Bayrischen Oberland, aber auch aus dem tirolerischen Gebiet in unser Heimatgebiet holte, um diese enormen Schäden mit erfahrenen Arbeitskräften aufzuarbeiten (z. B. Salzweg, Gebirgstrachtenverein Edelweiß Salzweg, gegr. 1928). Ein anderer Grund waren die oberbayrischen Bergleute aus Hausham, die in Kohlegruben im Passauer Gebiet „Jägerreuth“ in Jacking ihr Geld verdienten (Gebirgstrachtenerhaltungsverein Almarausch Jacking, gegr. 1924).
Diese Sparten der „Fremdarbeiter“ in unserem Gebiet, sind nur ein Teil jener Burschen, die nach ihrer harten und mühevollen kräftezerrenden Arbeit abends oder auch am Wochenende in den Bauernstuben ihrer Dienstherren sowie in den Gasthäusern beim „Zammsitzn“ nach getaner Arbeit Unterhaltung und Ablenkung suchten. Unter anderem zeigten sie auch den aus „ihrer jeweiligen Heimat“ stammenden Schuhplattler. Mit der gleichen Begeisterung über diesen Schuhplattler, wie sie um die Jahrhundertwende im oberbayrischen und tiroler Raum war und zu vielen Trachtenvereinsgründungen führte, (vielleicht um den anwesenden Dirndln zu imponieren oder aus Übermut vielleicht auch nur zur Gaudi) und sich viele Plattlergruppen und Vereine bildeten, schlossen unsere Buam den Schuhplattler begeistert ins Herz und wollten diese Kunst des Männertanzes oder dieses Werbetanzes ums Dirndl mit Übereifer erlernen.
Ein weiterer Grund warum der Schuhplattler schon fast 100 Jahre bei uns gepflegt wird, war die schlechte wirtschaftliche Lage und der schwache Arbeitsmarkt. Man kann nachlesen, dass unsere Buam und Männer deshalb ihren Lebensunterhalt durch Arbeit in anderen Gebieten verdienen mussten. Verstreut in viele Gebiete, ob im Münchner Raum, dem Allgäuer Raum bis zum Bodensee oder die Alpenkette entlang bis nach Österreich/ Tirol oder auch im Gebiet Sachsen arbeiteten junge Burschen aus unserem Raum (letzteres D’ Berglerbuam Auberg, gegr. 1952). Auch hier kamen sie mit dem Schuhplattler in Berührung. Fasziniert davon erlernten sie ihn nach getaner Arbeit bei der Zusammenkunft und gmüatlichen Zammsitzn mit Arbeitskameraden oder Burschen aus den jeweiligen Dörfern und Städten, (z. B. etliche Oberpollinger Buam, die beim Bau des Walchensee-Kraftwerkes in Kochel Arbeit gefunden hatten). Diese brachten ihn praktisch „von der Arbeit mit nach Hause“ in unser Gebiet und zeigten ihn mit Begeisterung ihren Freunden, Familien und Kameraden. Auch hier sprang der Funke über und der Schuhplattler wurde fester Bestandteil bei den verschiedenen Zusammenkünften der Burschen in ihren Dörfern. Aber auch durch verschiedene Zuwanderer in unser niederbayrisches Gebiet, wie z. B. in den 30er Jahren ein junger, oberbayrischer Bursche, der den Schuhplattler in den Fürstenzeller Raum brachte (Trachtenverein Fürstenzell, gegr. 1938) oder nach dem 2. Weltkrieg ein gewisser Alois Altendorfer, gebürtiger Raßberger, der nach vielen arbeitsreichen Jahren in Hainichen in Sachsen wieder in seine Heimat, den Wotzdorfer Raum zurückkehrte (Trachtenverein Immergrün, Wotzdorf, gegr. 1946) oder ein Werdenfelser Bua, der nach Möslberg (Trachtenverein D’ Holzhacker Möslberg, gegr. 1946) übersiedelte oder die Kriegsgefangenen, die aus der Gefangenschaft den Schuhplattler mit nach Hause brachten und so hier in ihrer Heimat die Eindrücke vom Schuhplattler vertieft und ausgebaut haben; z. B. aus einem Kriegsgefangenenlager in Nordafrika, wo ein gewisser Hans Poll den Schuhplattler erlernte und mit nach Hause brachte (Trachtenverein Grenzlandla Gögging, gegr. 1949). In den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts entstanden so im unteren Bayerischen Wald die ersten Schuhplattlergruppen. Diese gründeten die ersten Vereine in unserem Gaugebiet.
Gegründet wurden diese Vereine zu dieser Zeit als „Gebirgstrachtenerhaltungsvereine“ (z. B. Edelweiß Salzweg 1928). Es sind auch Vereine entstanden, deren Buam in den Nachkriegsjahren in den Nachbarorten oder Gemeinden bei Veranstaltungen mit dem Schuhplattler in Berührung kamen und spontan gesagt haben: „des lernan mia aa, des mechtn mia aa kinna.“ Waren am Anfang in den Gruppen und Vereinen nur Buam aktiv, der Schuhplattler also als „reiner Männertanz“ gepflegt wurde, so kamen erst im Laufe der Zeit die Dirndl dazu und wurden beim Schuhplattler mit dem sogenannten „Dirndldrahn“ (Walzertanzen, Ausdrehen, Einfangen) eingebunden.
Die Plattler im Dreiflüssegau
Aus den ersten Jahrzehnten gibt es leider keinerlei Aufzeichnungen, welche Schuhplattler in unserem Gaugebiet geplattlt wurden; aus mündlichen Erzählungen wissen wir aber, dass die meisten Plattlergruppen ein gewisses Grundreportoire hatten und dann immer wieder einige neue Plattler dazukamen. Die häufigsten Plattler waren und sind der Haushammer, Rehbacher, Ruhpoldinger, Heidauer/Heutauer, Reit im Winkler, Grassauer, Wendlstoana, Schnackl-Walzer, Untersberger, Innviertler, Kreuzpolka, Schottischer, Auerhahn, Böhmisch Grenza, Schwarzer Zigeuner, Salzburger, Boarischzeller, Gamseisprung, Ilztaler/Hodalump, Mangfallthaler, Partnachtaler, Schneeberger, Garmischer, Stoaklopfer, Birkenstoana Glöckerl, Überall san d’Ladn zua, Holzhacker, Bankerltanz, s’Dirndl mitn roudn Miada, Steckentanz, Ammerseer, Isartaler, Ambosspolka, Wallfahrtler, Mooswinkler, Dirndal i liabat di, Langschottisch, Gföller Marsch, Inntaler, Schimmel tot, Aschauer, Woidjaga, Illertaler, Plindauer, Auerer, Häuslratz, Lamberger Marsch, Jägermarsch, Knopfloch, Trauntaler, Marquardsteiner, Wössner, Lauterbacher Marsch, Birkenstoana und andere. Der Haberer und Watschenplattler wurde bei uns auch geplattelt bzw. aufgeführt, bis sie vom Verband verboten wurden. Der Witzmannsberger, Möslberger, Schönburger sind unter anderem normale Plattler und melodisch gleich mit anderen bekannten Melodien, nur die Schlagfolge oder der Aufsprung ist von der jeweiligen Gruppe geändert. Diese Aufstellung wird niemals vollständig sein, weil der Schuhplattler auch bei uns „lebt“ und sich verändert und weiterentwickelt. Bei manchen Vereinen sterben Plattler aus, und bei anderen Vereinen kommen Neue dazu – und so wird es auch in Zukunft sein.
Die Gauvorplattler
Hermann Hobelsberger von 1932 bis 1952
Stellv. Hansl Roßgotterer von 1952 bis 1972
Gustl Brandl von 1952 bis 1953
Hermann Hobelsberger von 1953 bis 1974
Stellv. Bernhard Roßgotterer von 1972 bis 1974
Bernhard Roßgotterer von 1974 bis 1982
Posten nicht besetzt von 1982 bis 1983
Peter Lindinger von 1983 bis 1995
Richard Schenk seit 1997
Hermann Hobelsberger hat sich in nahezu vier Jahrzehnten als Gauvorplattler für den Schuhplattler in besonderer Weise eingesetzt.
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